Sektion Alter(n) und Gesellschaft

der Deutschen Gesellschaft für Soziologie




Erste Tagung der AG im Juli 1999 in Magdeburg



Quo vadis sciencia sociogerontologica? – Quos ego!



Miszellen zum Konvent und weitere Annotationen (1)

Klaus R. Schroeter

Wohin führt uns nun der Weg der Gerontosoziologie? Der selbstbewusste Ausruf (quos ego) der unter dem breiten Dach der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) neu institutionalisierten Arbeitsgruppe "Alter(n) und Gesellschaft" war vernehmlich und laut: Le grand voyage führt zunächst einmal nach Berlin. Das ist immer eine Reise wert. Und diese geschichtsträchtige Metropole, in der seit nunmehr zehn Jahren eines der größten Sozialexperimente der europäischen Geschichte stattfindet, war nun auch Stätte des ersten Treffens der Arbeitsgruppe. Dazu fand man sich am 9. und 10. Juli 1999 in den ehrwürdigen Räumen des Instituts für Soziologie der Freien Universität ein.

Welche Bedeutung künftige Annalisten der deutschen Alternssoziologie diesem Treffen dereinst beimessen werden, bleibt abzuwarten. Die Wahl eines historischen Ortes als Tagungsstätte allein berechtigt nicht zur Annahme, dass die Tagung als solche einmal als "historisch" zu bezeichnen ist. Derartiges wird auch niemand im Sinn gehabt haben, als sich die Mitglieder der neu formierten "Arbeitsgruppe Alter(n) und Gesellschaft" (AGAG) auf ihrer konstituierenden Sitzung inmitten des letzten Soziologiekongresses im beschaulichen Freiburg darauf verständigten, ihr nächstes Treffen im metropolitanen Berlin abzuhalten.

Das stand unter dem Motto "Soziologie und Alter(n) – Beiträge der Soziologie zur Analyse des Alter(n)s und Impulse des Alter(n)s für die Entwicklung der Soziologie". Mit dieser bewusst allgemein gehaltenen Thematik sollte eine erste Standortbestimmung der neu formierten Arbeitsgruppe vorgenommen werden. Die hatte sich immerhin deshalb konstituiert, weil "innerhalb der institutionalisierten deutschen Soziologie (...) das Thema >>Alter(n)n und Gesellschaf<< bislang keine seiner Bedeutung angemessene organisierte Entsprechung (fand)" (Backes 1998: 60). Dem soll nun etwas entgegengehalten werden, um die "Diskussion um Alter und Altern als konstitutive Elemente der Gesellschaftsstruktur innerhalb der Soziologie" zu beleben und "die bisher eher geringe Bedeutung der Soziologie als Fach innerhalb einer interdisziplinären Alternswissenschaft" zu fördern und zu entwickeln (vgl. Backes 1998: 61f., Backes/Clemens 1998b: 96f.). Die Messlatte ist somit aufgelegt.

Nachdem Rosenmayr (1976: 253) Mitte der 70er Jahre die "theoretische Sterilität" der europäischen Gerosoziologie beklagt hatte, ist die Behebung dieses Mangels oft eingefordert worden. Doch eine theoretische Begründung und Fundierung der Alternssoziologie steckt noch in den Anfängen. Noch immer harrt sie im Status einer "Bindestrich-Soziologie" (Clemens 1993: 62). Auch wenn es in Berlin auf der Tagung nicht so stark durchschlug, so gilt wohl noch immer, dass die soziologische Alternsforschung zwar reich an Daten, aber arm an Theorie ist.

Ein solches disparates Verhältnis konnte und wollte diese Sommertagung nicht zurecht rücken. Doch das gewählte Tagungsthema lud (zumindest implizit) dazu ein, über das prekäre Verhältnis von Empirie und Theorie in der soziologischen Alternsforschung nachzudenken und phantasievolle Vorschläge zum weiteren Voranschreiten der Alternssoziologie einzubringen. Ansätze dazu wurden in Berlin vorgestellt.

Entsprechend bunt präsentierte sich sodann auch das zweitägige Programm: Die Vorträge waren zumeist illuster, das Auditorium erlaucht und die federführende Veranstalterin präsentierte sich glanzvoll wie erwartet. Die großen theoretischen Würfe – das war zu erwarten – wurden freilich noch nicht ins Feld geführt, aber die Arbeitsgruppe ist eben ein Forum, solche langsam und schrittweise zu erarbeiten. Ein steter soziologischer Tropfen höhlt den populären und übermächtigen psychologischen Stein.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in das Thema durch die Sprecherin der AG, Gertrud M. Backes (Vechta), referierte Martin Kohli (Berlin) über "Alter als Herausforderung an die Soziologie". Ein solches Eingangsreferat an Kohli zu vergeben, war kluges Machwerk der Organisatoren und das nicht nur, weil Kohli gewissermaßen als Hausherr am soziologischen Institut der FU Berlin agiert, sondern weil er, wie seine zahlreichen Veröffentlichungen immer wieder dokumentieren, seit längerem von der im Titel seines Redebeitrages zum Ausdruck gebrachten überzeugung geleitet wird. Ausführlich formuliert hat er das zunächst in seinem Ende der 80er Jahre verfassten Aufsatz über "Ageing as a Challange for Sociological Theory" (Kohli 1988), der kurze Zeit später dann in überarbeiteter Form (Kohli 1990) auch einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht wurde.

"The resulting lack of theoretical depth has provoked a series of attempts to mobilise theoretical resources from general sociology, ranging from functionalist and symbolic-interactionist perspectives in the Sixties to those of, e.g. exchange theory and political economy in the Seventies and Eighties. But this theoretical exchange has remained one-sided: there has been little cognitive influx back into general sociological theory. In other words: both in its institutional and in its cognitive structure, the sociology of ageing has kept the status of an applied sociology" (Kohli 1988: 368).

Diese von Kohli konstatierte Lage der Alternssoziologie sollte nun nach mehr als zehn Jahren mit dem Berliner Tagungsmotto "Soziologie und Alter(n) – Beiträge der Soziologie zur Analyse des Alter(n)s und Impulse des Alter(n)s für die Entwicklung der Soziologie" erneut auf den Prüfstand gehoben werden. Kohli selbst hat in seinen verschiedenen Studien immer wieder darauf verwiesen, dass das Alter immer als Teil von Lebenslauf und Altersgliederung zu behandeln und insofern auch in den Kontext der "Arbeitsgesellschaft" zu setzen sei. Völlig zu recht beklagt Kohli (1992: 232), dass die "Alternssoziologie (...) bisher ganz am Rande der allgemeinen Soziologie (stand)&/quot; und "sich ihre Tagesordnung von den drängenden praktischen Problemen ihres Gegenstandsfeldes diktieren (ließ)". Sein nun seit längerem bekanntes und auch in Berlin erneut vorgetragenes Votum, die Altersphase in eine umfassende sozialstrukturelle Perspektive zu rücken, ist Kohli in seinen verschiedenen Studien zum Ruhestand sowohl theoretisch als auch empirisch beherzt angegangen.

Die verschiedenen von der "Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf" (FALL) vorgelegten Studien zum Wandel der Lebenslaufstrukturen und Generationenverhältnisse haben sodann auch eine entscheidende Schrittmacherfunktion bei der Etablierung der Lebens(ver)laufsperspektive übernommen, "which has become the new orthodoxy of aging and the social sciences" (Marshall 1996: 22). Dabei fällt sowohl dem von Kohli (1985) geprägten Modell der "Institutionalisierung des Lebenslaufs" als auch den von ihm zuletzt immer wieder thematisierten Generationenkonstellationen eine gewichtige Rolle zu. Das jüngste Kind dieser Berliner Forschungsstätte, der in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Psychogerontologie der Universität Nijmegen (NL) und der infas-Sozialforschung GmbH (Bonn) erstellte Alters-Survey (Kohli/Künemund 1998), liefert sodann auch ein umfängliches Datenmaterial, von dem die soziologische Alternsforschung noch reich zu zehren hat, das sie aber auch theoretisch einbetten muss, um den Blick auf das gesamtgesellschaftliche Gefüge und deren soziale Implikationen zu eröffnen.

Manfred Stosberg (Erlangen/Nürnberg) stellte seinen Vortrag unter das Motto: "Allgemeine Soziologie und Geronto-Soziologie: Nach wie vor eine Nicht-Beziehung?" Sein Beitrag widmete sich ganz dem Spannungsverhältnis von allgemeiner Soziologie und Gerontosoziologie. Seiner Einschätzung nach hängt eine "Verankerung der Gerontosoziologie innerhalb der (allgemeinen) Soziologie und der Nachbardisziplinen" vor allem davon ab, "wieweit Ansätze aus der allgemeinen Soziologie für die Gerontosoziologie fruchtbar gemacht werden können und wieweit andererseits die Gerontosoziologie in der Lage ist, ihre Ergebnisse und umfänglichen Befunde gleichsam in die allgemeine Soziologie>>einzuspeise<<".

Mit Thomas Kuhn argumentierend konstatierte er, dass die allgemeine Soziologie in ihrer Gesellschaftsanalyse die Altersstruktur solange nur am Rande berücksichtigen konnte, solange vom Alter kein so überwältigender Problemdruck ausging, um das herrschende Paradigma zu verändern. Auch wenn Kaufmann (1960) bereits Ende der 50er Jahre von einer überalterung der Gesellschaft sprach und in der Folge das Alter zunächst als individuelles und später auch als soziales Problem gesehen und angegangen wurde, wird erst in der heutigen Gesellschaft vollends deutlich, dass das Alter zu einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem geworden ist (Backes 1997a). Dass wir uns derzeit in einer Phase solch eines Paradigmenwechsels befinden, hält Stosberg für wahrscheinlich. Und so sieht er auch erste zaghafte Versuche der allgemeinen Soziologie, Anregungen und Fragestellungen aus der Gerontosoziologie aufzugreifen, was er eben auf die veränderten Dimensionen der Gesellschaftsstruktur (Altersstrukturwandel, Bevölkerungsentwicklungen) zurückführt.

Auf der anderen Seite beobachtet er aber auch, dass die Gerontosoziologie "sich lange Zeit weitgehend ohne Kenntnisnahme der Diskussion in der allgemeinen Soziologie entwickelt hat". Das führt er zum einen auf den "unmittelbare(n) Druck von ad hoc Problemen" zurück, "die nach schnellen ad hoc Lösungen verlangen" und oftmals keine Zeit für intensive theoretische Bemühungen ließen. Zum anderen sei die alternstheoretische Kargheit der Gerontosoziologie dem Umstand geschuldet, dass die Alternssoziologie innerhalb der Gerontologie einen schweren Stand bei "der zeitweise ausgeprägten Dominanz einer (...) empiristisch orientierten Psychologie" habe.

Um diesem Dilemma entgegenzuwirken, schlug Stosberg das Verfahren einer Mehrebenenanalyse vor, mit dem die Verbindung von sozialem Kontext, individuellem Handeln und individuellen und kollektiven Handlungsfolgen hergestellt und soziologische und psychologische Ansätze integriert werden soll. Demnach läge der Beitrag der allgemeinen Soziologie für die Gerontosoziologie darin, "in einer Mehrebenenanalyse allgemein soziologische Ansätze auf das spezielle Handlungsfeld der Gerontosoziologie anzuwenden" und auf der anderen Seite wären die mannigfaltigen Fakten der empirischen Alternsforschung ein geeignetes Datenmaterial, um die Angemessenheit allgemeiner Theorie zu überprüfen.

Wolfgang Clemens (Berlin) widmete sich der Frage, ob die Alternssoziologie eine zeitgemäße Bindestrichsoziologie sei. Damit knüpfte er an die von ihm (Clemens 1993: 62) schon zuvor vertretene These an, dass die Alternssoziologie bislang im Status einer Bindestrich-Soziologie verharre und setzte diese Supposition einer neuerlichen Prüfung aus. Dazu arbeitete er den Status quo der Alter(n)ssoziologie heraus und konfrontierte ihn mit der gesellschaftlichen Entwicklung und den sich daraus ergebenden Anforderungen an eine Soziologie des Alter(n)s.

Clemens vertrat die These, dass Alter heute nicht mehr als "Strukturprinzip per se" existiere, sondern gleichsam auch "mehr oder weniger direktes Produkt einer bestimmten gesellschaftlichen Praxis" sei. Heute, so konstatierte er, "mehren sich die Zeichen, dass wir z.Z. am Ende der Periode eines sozialpolitisch umfassend regulierten Alters stehen". Weil die sich verändernde Altersstruktur Folgeprobleme auf allen gesellschaftlichen Ebenen erzeugt, wird Altern zu einem "gesellschaftlichen Problem" (Backes 1997a). Und dadurch bestimmt das Altern "zunehmend die Gesellschaftsentwicklung, die wiederum auf die Lebenssituation im Alter zurückwirkt".

Clemens verwies darauf, dass das Alter in der gegenwärtigen Alternssoziologie zunehmend in Generationen- und Familienbeziehungen sowie als Quelle sozialer Ungleichheit analysiert wird. Wenn in der empirischen Alternsforschung zwischenzeitlich umfassende interdisziplinäre Untersuchungen – z.B. die Berliner Altersstudie [BASE] (Mayer/Baltes 1996), das nationale Forschungsprogramm "Alter" in der Schweiz (Höpflinger/Stuckelberger 1999) oder der Alters-Survey (Kohli/Künemund 1998) – eingeleitet und durchgeführt wurden, hat nach seiner Einschätzung in der alternssoziologischen Theoriebildung eine vorerst "verhaltene Diskussion" eingesetzt. Clemens nannte hier neben den dominierenden Ansätzen der Lebensverlaufsperspektive und des Altersstrukturwandels (Tews 1993) das Konzept der Lebenslage (Amann 1983, Backes 1997b, Clemens 1994, 1997), das theoretische Rahmenkonzept von Backes (1997a), den figurationstheoretisch geleiteten Ansatz von Schroeter (1999b) sowie den systemtheoretischen Ansatz von Saake (1998), die allesamt "wichtige Impulse zur theoretischen Fundierung der gesellschaftlichen Alter(n)sproblematik" geleistet hätten.

Doch trotz aller empirischer Filigranarbeit und all der theoretischen Impulse ist es der Alter(n)ssoziologie nach Einschätzung von Clemens bislang nicht gelungen, sich "in vergleichbarer Form wie andere spezielle Soziologien zu konturieren". Zu recht verwies er darauf, dass ihre Verankerung innerhalb der institutionalisierten Soziologie in Deutschland erst ansatzweise gelungen ist. Belege dafür fänden sich etwa in der geringen Beachtung in Rezensionszeitschriften, im Fehlen einer eigenen Fachzeitschrift sowie in der Ermangelung entsprechender Lehrstühle oder weiterer Professuren. Da sei es wenig verwunderlich, wenn die Konturierung von Altern und Alter als spezielle Soziologie "merkwürdig unbestimmt" verliefe, was Clemens zum einen auf eine "fehlende Prägnanz" der begrifflichen Bestimmung des Arbeitsgebietes (Alterssoziologie, Alternssoziologie, Gerosoziologie, Gerontosoziologie) und zum anderen auf die "schwierige Abgrenzung und Strukturierung ihres Gegenstandsbereiches" zurückführte, insofern sich die "Lebensphase Alter" immer stärker ausdifferenziert, "entstrukturiert" und zunehmend in plurale Verlaufs- und Existenzformen zerfällt. Damit wäre die These vertretbar, "dass es sich bei der Alternssoziologie nicht mal um eine richtige Bindestrich-Soziologie handelt, da sie in ihrer inhaltlichen und begrifflichen Vielfalt relativ unbestimmt ist und im Vergleich zu anderen Soziologien hinsichtlich ihrer Institutionalisierung kaum Fortschritte gemacht hat".

Marion Möhle (Frankfurt) trug einen zusammen mit Wolfgang Glatzer (Frankfurt) erarbeiteten Beitrag über "Alterungsprozesse der Gesellschaft" vor. Hier wurde der Fokus auf den Alterungsprozess ganzer Gesellschaften gelegt und modellhaft in fünf Dimensionen skizziert.

In einer ersten Dimension wurden die Alterungsprozesse von Gesellschaften als demographisches Phänomen betrachtet (demographisches Altern). Demnach ist das Alter einer Gesellschaft am Alter der einzelnen Gesellschaftsmitglieder abzulesen und Alterung ist entsprechend als ein "Aggregatmerkmal moderner Gesellschaften" zu betrachten. Folglich ist dann das Alter einer Gesellschaft "als das aggregierte Alter der einzelnen Individuen in dieser Gesellschaft definiert". Einer solchen Lesart entsprechend sind Länder mit einem höheren Anteil an jungen und einem niedrigen Anteil an älteren Menschen "jüngere" und Gesellschaften mit umgekehrten Verhältnissen "ältere Gesellschaften".

In einer zweiten Dimension diskutierte Möhle das Altern von Gesellschaften als Lebensdauer von Strukturen und Institutionen (institutionelles Alter). In einer makrosoziologischen Betrachtung soll das Alter einer Gesellschaft am Alter ihrer Strukturen und Institutionen gemessen werden. Weil in modernen Gesellschaften "viele alte Institutionen überdauern und immer wieder neue hinzukommen" und diese neuen Institutionen auch auf ältere rekurrieren, sei hier von einer "großen Altersheterogenität" auszugehen. Folglich sei das institutionelle Alter einer Gesellschaft aus dem "Mischungsverhältnis alter und neuer Institutionen" abzuleiten und die Gesellschaft als alt zu bezeichnen, in der die alten Institutionen ein größeres Gewicht erhalten.

In einer dritten Altersbestimmung nahm Möhle sodann die gesamte Menschheitsgeschichte in den Blick und thematisierte das Alter auf der "weltgeschichtlichen Zeitachse" (weltgeschichtliches Alter). Alter lässt sich in dieser Lesart also nach dem historischen Verlauf bemessen und alte Gesellschaften sind demnach die archaischen und antiken Gesellschaften.

Die vierte Altersdimension konzentriert sich auf den sozialen Wandel und sieht das Altern von Gesellschaften als fortschreitende Modernisierung und Differenzierung (Modernisierungs-Alter). Zivilisierung, Modernisierungs- und Differenzierungsniveau einer Gesellschaft werden zum Gradmesser des gesellschaftlichen Alters. Die Gesellschaft, die Zivilisierungs- und Modernisierungskriterien (u.a. Urbanisierung, hohes Bildungsniveau, Massenmedien) in hohem Maße erfüllen, gelten "unabhängig von der Tatsache, zu welchem historischen Datum die jeweilige Gesellschaft gegründet wurde" – als "reif" und "alt".

Und schließlich setzte Möhle das Alter einer Gesellschaft in Bezug zu den einen klassischen Entwicklungsverlauf (Entstehung, Einführung, Wachstum, Reifung, Sättigung, Degeneration, Entsorgung) nehmenden Produkten, Geräten und Technologien (technisches Alter).

Unter Anwendung dieser Alterungsdimensionen sind moderne Gesellschaften zum einen "alte Gesellschaften", weil ihre Bevölkerung altert und im Mischungsverhältnis der alten und neuen Institutionen die alten ein übergewicht erlangen. Zum anderen sind moderne Gesellschaften aber auch ">>junge Gesellschaften<<, weil sie einerseits auf eine Jahrtausende Wissens- und Erfahrungskumulation aufbauen, aber andererseits Innovationen beinhalten".

Ursula Dallinger (Kassel) beschäftigte sich in ihrem inspirierenden Beitrag zu "Solidarität und Generationenverhältnis" mit der Frage, was die Soziologie zur Klärung des Verhältnisses zwischen den Generationen leistet. Von der Differenz von Generationenbeziehungen im Sinne familiärer Austausch- und Hilfebeziehungen und Generationenverhältnissen, im Sinne öffentliche legitimierter und sozialpolitisch konstituierter Verhältnisse zwischen anonymen Altersgruppen ausgehend, schlug Dallinger vor, zwischen zwei verschiedenen Solidaritätstypen zu unterscheiden: die familiäre Mikro-Solidarität sowie die rechtlich konstituierte Makro-Solidarität.

In ihrem Tagungsbeitrag konzentrierte sie sich auf den zweiten Typus, auf die "Solidarität im Rahmen des öffentlichen (zwischen Altersgruppen sozialstaatlich konstituierten) Generationenverhältnisses". Dabei knüpfte sie an Gesellschaftstheorien an, die Solidarität auf der Makro-Ebene behandeln. Durkheims Solidaritätskonzept fand ebenso seine gedankliche Verarbeitung wie Parsons' Begriff der "gesellschaftlichen Gemeinschaft". Dallinger wies darauf hin, dass der von Durkheim explizierte Begriff des Kollektivbewusstseins auch seinen Niederschlag in Kohlis (1989) These der neuen moralischen ökonomie findet, die den Generationenvertrag stützt. Sie vertrat die These, dass trotz der gegenwärtigen Verunsicherung bei Teilen der jüngeren und mittleren Altersgruppen das "Sytemvertrauen in die Verlässlichkeit und Wirksamkeit stattlicher Alterssicherung" zum modernen Kollektivbewusstsein gehöre. In Anlehnung an Habermas (1981) führte sie dann weiter aus, dass Solidarität heute nur über einen kommunikativ herbeigeführten Konsens zu erreichen sei. Und weil das sozialstaatliche Recht alleine kein solidarisches Generationenverhältnis begründen könne, müssten die "Solidaritätspotenziale" aus der Ebene der Lebenswelt in die des Systems transferiert werden. Mit Luhmann (1997) hingegen ließe sich Solidarität auf einer ganz anderen Ebene verhandeln. Die Systemtheorie "verabschiedet den Gedanken der Integration oder eines sozialen Bandes" und Solidarität resultiert aus dem Problem der Selbstbeobachtung. Solidarität könne hier, so ihre These, als Semantik gesellschaftlicher Selbstbeschreibung begriffen werden, als Semantik, die sich zu Texten verfestigt, wenn sie "bewahrenswerte Sinnvorgaben" enthalten. Nach diesem Verständnis setzt der Sozialstaat "die Semantik Generationensolidarität ein, um angesichts einer differenzierten Sozialstruktur die zerrissene Einheit der Generation zu stiften, die allenfalls noch in der Familie subjektiv erlebbar ist".

Wenn in modernen Gesellschaften Fragen der Solidarität öffentlich im rechtlichen und sozialpolitischen Rahmen diskutiert und ausgetragen werden, so handelt es sich dabei für Dallinger weniger um Solidaritätsprobleme, sondern vielmehr um "Akzeptanz- und Legitimationsprobleme", wobei der Begriff der "Gerechtigkeit" sich als treffender erweise, weil das, was in der Diskussion um das Generationenverhältnis unter Solidarität gefasst wird, sich auf sozialstaatliche Rechtsansprüche stütze. Und weil in funktional differenzierten Gesellschaften mit überwiegend abstrakten Sozialbeziehungen die öffentliche Solidarität durch "(Verteilungs- und Belastungs-) Gerechtigkeit" legitimiert werde, sei das sich auf Gemeinsamkeit, Sympathie und emotionale Verbundenheit stützende Solidaritätskonzept "nur noch begrenzt tragfähig".

Den zweiten Tag des Arbeitsgruppentreffens eröffnete François Höpflinger (Zürich) mit seinem Vortrag über "Altersforschung als Beispiel angewandter Sozialforschung". In seinem Beitrag ging es vor allem um zwei Aspekte: zum einen um allgemeine Umsetzungsformen wissenschaftlicher Ergebnisse und zum anderen um die Einbindung älterer Menschen in den Forschungsprozess. Im ersten Teil seiner Ausführungen sprach Höpflinger über die Diffusion von Forschungsergebnissen und gab zu bedenken, dass der Beitrag der Wissenschaften zur technischen bzw. sozialen Entwicklung häufig überschätzt würde. Dabei vertrat er die These, dass sich die Politik oder aber auch eine Unternehmensführung "gesamthaft gesehen als stärker wissenschaftsresistent (erweise) als häufig angenommen wird" und dass wissenschaftliche Ergebnisse oftmals primär dazu genutzt würden, um einmal getroffene Entscheidungen nachträglich zu legitimieren.

Im Weiteren unterschied Höpflinger zwischen den Umsetzungsformen (Information, Beratung, Intervention) und den sozialen Wirkungen (allgemeine Aufklärung, heteronome Artikulation, professionelle Aus- und Weiterbildung, Entscheidungsvorbereitung, Entscheidungsvollzug, Verfahrensentwicklung) von Forschungsergebnissen. Eine Diffusion wissenschaftlicher Ergebnisse setze darüber hinaus intermediäre Instanzen voraus, die die Ergebnisse gewissermaßen an die Nicht-Fachleute übersetzen müssen. Für den Bereich der Alternsforschung wären das z.B. gerontologisch geschulte Medienvertreter und wissenschaftlich ausgebildetes Personal der Alterspraxis. Fernerhin gab er zu bedenken, dass bei der Implementation sozialwissenschaftlicher und sozialmedizinischer Forschungsergebnisse die Gefahr lauere, die wissenschaftlichen Ergebnisse zu früh umzusetzen, da oftmals "unkonsolidierte Forschungsergebnisse" als "sichere Wissensbestände" vermittelt würden. Darin sah er sodann auch das Hauptproblem der aktuellen Alternsforschung, wenn nämlich von Seniorenvertretungen oder von Fachleuten aus der Alterspraxis "Anforderungen an die Altersforschung gestellt werden, die diese in ihrer jetzigen Struktur und Entwicklung nicht zu erfüllen vermag". Eine erfolgreiche Diffusion von Forschungsergebnissen, so seine These, setze kompetente Zielgruppen voraus, die auch in der Lage sind, diese Ergebnisse autonom zu verarbeiten und zu benutzen. Während es im medizinischen Bereich stark professionalisierte Gruppen gibt, "die mit relativ hoher Autonomie die Weiterentwicklung ihres Tätigkeitsgebietes mitbestimmten", seien die Zielgruppen im sozialwissenschaftlichen Bereich – wie z.B. Sozialarbeiter, Lehrer, Selbsthilfegruppen – mit weitaus weniger Macht ausgestattet, um ihre Interessen direkt umzusetzen.

Im zweiten Teil seines Beitrags konzentrierte sich Höpflinger auf die Frage der Einbindung älterer Menschen in den Forschungsprozess. Langfristig hält er eine verstärkte Mitbeteiligung oder auch Mitbestimmung der älteren in der Alternsforschung für zwingend. Lässt sich diese darauf nicht ein, so "verneint die Gerontologie im Grunde ihre eigenen Kompetenz-, Aktivitäts- und Plastizitätsmodelle des Alterns". Denkbar und zuweilen auch schon praktiziert sei etwa die Einbeziehung einer "Begleitgruppe", die helfen kann, Kontakte herzustellen, Fehler zu vermeiden, die Akzeptanz des Projektes zu erhöhen usw. Aber auch eine unmittelbare Forschung durch ältere Menschen hält Höpflinger für praktikabel, wenngleich er auch entscheidende Hemmnisse nannte. So warnte er davor, dass sich bei einer "unreflektierten" und "euphorischen" Einbeziehung der älteren Generation in den Forschungsprozess der "Druck auf eine vorzeitige Instrumentalisierung von Forschungsergebnissen erhöhen" könnte. Zudem sei die Motivation und der Zeithorizont wissenschaftlich interessierter älterer vielfach durch die aktuelle Situation geprägt. Die Erlangung von Kompatibilität von lokal und gemeinschaftlich orientiertem Kolorit der Seniorenforscher und modernem Wissenschaftsdesign universitärer Forschung dürfte sich aus diesem Grunde nicht nur als schwierig, sondern als unmöglich erweisen. Insofern kann Seniorenforschung – zumal dann, wenn sie z.B. in handlungsorienteirter Begleit- oder Aktionsforschung praktiziert wird – die traditionelle Forschung "höchstens ergänzen und nicht ersetzen".

Anschließend beleuchtete Friedrich Fürstenberg (Bonn) die "Handlungskompetenz im Prozess des Alterns" als "soziologisches Forschungsfeld". Er führte an, wie der Begriff der Handlungskompetenz längst zu einem Schlüsselbegriff der Alternsforschung avanciert ist, dort aber vornehmlich auf gerontopsychologischem Terrain diskutiert werde. Nun hat uns Max Weber ([1922] 1985: 11ff.) in seiner berühmten Definition schon früh vor Augen geführt, dass "soziales Handeln" ein elementarer soziologischer Grundbegriff ist und insofern ist es nur folgerichtig, wenn Fürstenberg den Versuch unternimmt, den Kompetenzbegriff aus der psychologischen Umklammerung zu befreien und in soziologisches Fahrwasser zu leiten. Zu recht wies er darauf hin, dass in der "Manifestation von Handlungskompetenz" nicht nur ein "Handlungspotenzial, sondern die tatsächlich erwiesene Fähigkeit (...), in konkreten Situationen angemessen zu handeln", zum Ausdruck gebracht wird. Und damit stimmt er sowohl mit Wollert (1997: 329), der Handlungskompetenz als "transaktionales Konstrukt" bezeichnet, als auch mit Nigsch (1999: 19) überein, der in enger Anlehnung an die Bourdieu'sche Terminologie Kompetenz kapitaltheoretisch fasst.

Fürstenberg rückte den Begriff der Handlungskompetenz soziologisch zurecht, wenn er die sozialen und situativen Rahmungen betonte und darauf verwies, dass die Erhaltung der Handlungskompetenz zwar eine "Eigenleistung" sei, diese aber durch die sie "fördernden oder hemmenden Voraussetzungen" zugleich auch immer sozial vermittelt sei. Dass Handlungskompetenz in den verschiedenen Phasen des Alterns eine jeweils andere "Reichweite" besitzt, exemplifizierte er an den Beispielen der "jungen Alten", der "aktiven Senioren" sowie der "Pflegebedürftigen". Kompetenz ist für Fürstenberg das "Ergebnis sowohl subjektiver Dispositionen als auch objektiver Einflüsse" und damit Ausdruck biologischer, psychologischer, sozialer und auch politisch-rechtlicher Bedingtheiten.

Als Ausblick auf weitere soziologische Forschungsstrategien proklamierte er einen erkenntnisleitenden Beitrag "zur Bewältigung der Lebensprobleme im Sinne einer möglichst langen Teilhabe und Teilnahme an der modernen Lebenswelt". Bei einem solchen Vorhaben, so gab er zu bedenken, sei zunächst davon auszugehen, dass sich Kompetenz zwar als Lern- und übungsergebnis darstellen ließe, zugleich aber immer auch durch die "Situationsgebundenheit auf soziale Beeinflussungsfaktoren" rückführbar sei. An dieser Prämisse anschließend, hätte eine weitere soziologische Kompetenzforschung danach zu fragen, welche "charakteristischen Verschiebungen von Handlungsanforderungen (...) in den verschiedenen Alternsphasen und unterschiedlichen Gruppen von Betroffenen statt(finden) und welche Umstände (...) sie herbei(führen)". Fernerhin sei zu klären, welche Instanz und welcher Mechanismus Art und Ausmaß der geforderten Handlungskompetenz durch "Definition der Situation" bestimmen. Zu klären sei auch, von welchen Strukturmerkmalen die "relative Autonomie des Individuums" wie auch die Ressourcenverteilung zur Aufrechterhaltung bzw. zum Neuerwerb von Kompetenzen in den verschiedenen Alternsphasen abhängt.

Klaus R. Schroeter (Kiel) stellte mit seinem Vortrag über "Altern im Lichte einer »Theorie der Praxis« Oder: Lebenslagen älterer Menschen zwischen Struktur und Praxis" ein Diskussionsangebot an den theoretischen Altersdiskurs vor. Auf die Bourdieu'sche Feldtheorie und die Elias'sche Figurationssoziologie rekurrierend präsentierte er einen Modellansatz, der helfen soll, einen begrifflichen Analyseschlüssel zu entwickeln, um die in den alternstheoretischen Konzepten noch immer unterschwellig wirkende Dichotomie von Individuum und Gesellschaft aufzubrechen. Ausgangspunkt seiner überlegungen waren der von Simmel ([1890] 1989, [1908] 1983) elaborierte Begriff der Wechselwirkung und der von Elias ([1979] 1991) populär gemachte Figurationsbegriff, die er als kategoriale Oberbegriffe heranzog und um die herum er die Elemente der Bourdieu'schen (1979, 1983, 1985, 1987a, 1987b) Theorie der Praxis ansiedelte, um die Lebenslagen älterer Menschen in einem Netz figurativer Felder theoretisch zu verorten.

Die Lebenslagen älterer Menschen sollten damit nicht als objektivierte und ruhende Lagerungen aufgefasst werden, sondern als sich fortwährend bewegende und verändernde Beziehungsgeflechte, die immer nur Momentaufnahmen eines fortlaufenden Prozesses sein könnten. Für die Analyse der Lebenslagen älterer Menschen schlug er vor, die von Bourdieu (1987a) formalisierte Konstruktion der Praxis – [(Habitus) (Kapital) + Feld = Praxis] – alternsspezifsich aufzulösen.

Schroeter betrachtete in einem Spielmodell die figurativen Felder als Stätten sozialer Kraftproben. Im Rekurs auf Backes (1997a), die Altern zu einem gesellschaftlichen Problem erklärt, weil es auf alle gesellschaftlichen Bereiche (bzw. Felder) ausstrahlt, modellierte er ein Spiel auf mehreren Ebenen, auf denen die einzelnen Akteure, eingebunden in ein komplexes Netzwerk sozialer Beziehungen, auf verschiedenen, direkt oder indirekt miteinander verknüpften Feldern in unterschiedlichen Tauschfigurationen um ihre sozialen Positionen, um Ressourcen, Macht und Kapital ringen. Die figurativen Felder der Lebenslagen erschließen sich nach diesem Modell über den habituell gesteuerten "praktischen Sinn", sind aber vor allem Felder, auf denen um "Wahrung oder Veränderung der Kräfteverhältnisse" gerungen wird. Es geht also letztlich um Macht – oder spieltheoretisch formuliert um die "relative Spielstärke" der Akteure. Die Spielstärke der älteren hinge von der Verfügbarkeit und dem strategischen Einsatz der Trümpfe ab, wobei die in einem Feld stechenden Trümpfe in einem anderen verblassen könnten und sich ein Bonus des eines Feldes gar in einen Malus eines anderes Feldes umkehren könnte. Die vieldiskutierte Kontroverse, ob Alter denn nun eine Ressource oder eine Last der Gesellschaft sei, ist für Schroeter nicht nur Ausdruck dessen, was heute gemeinhin als "normative Unbestimmtheit im Umgang mit Alter und Altern" (Backes 1997a, Kondratowitz 1990, 1998) verstanden wird, sondern immanenter Widerspruch einer differenzierten Gesellschaft.

Die im "Fadenkreuz von Individualisierung und Vergesellschaftung" (Prahl/Schroeter 1999) aufgezogenen Lebenslagen älterer Menschen verlaufen nach Schroeters (1999a, 1999b) Ansicht im "Spannungsfeld von »später Freiheit« und >>sozialer Disziplinierung<<". Um dieses Spannungsfeld analytisch zu durchdringen, forderte er eine figurationstheoretisch geleitete Analyse, wobei die Struktur eines jeweiligen figurativen Feldes zunächst einmal den Stand der Machtverhältnisse bzw. den Stand der Verteilung spezifischer Güter, Ressourcen und Kapitalien anzeigt. Insofern seien die Lebenslagen älterer Menschen anhand tausch- und konflikttheoretischer überlegungen auf Struktur, Umfang, Verfügung, Schwundrisiko und strategischen Einsatz der feldspezifischen Kapitalien älterer Menschen hin zu filtern. Auch wenn der Gütertransfer und die Tauschbeziehungen älterer Menschen durchaus im Blickfeld soziologischer Alternsforschung standen und jüngst auch wieder stünden, so bleibe es für die Alternssoziologie noch immer eine Herausforderung, die gesamte Alternskultur in ihrer wechselseitig verschränkten und figurativ verwobenen Komplexität tauschtheoretisch abzubilden.

Dabei sollte nicht nur danach gefragt werden, welche Kapitalien die Alten anzubieten haben, wie diese in den verschiedenen sozialen Feldern verteilt sind und auf welchen Feldern sie verstärkt nachgefragt werden. Für Schroeter stellt sich auch immer die Frage nach den Vernetzungen und Abhängigkeiten und damit auch die Frage, inwieweit aus den figurativen Feldern machtungleichgewichtige Patronage- und Klientelsysteme erwachsen und verstärkt werden. Denn die sich entwickelnden Verflechtungsprozesse können eine solche Eigendynamik entwickeln, dass sie eine "relative Autonomie" gegenüber den individuellen, aber auch sozialen und politischen Plänen und Absichten einnehmen können. So etwa erweisen sich die unter dem Terminus des Altersstrukturwandels (Tews 1993) zusammengefassten Prozesse als spezifische Figurationen des Zivilisationsprozesses, die als soziale Auswüchse der demographischen Entwicklung eine solche Eigendynamik und relative Autonomie gegenüber zuvor getroffenen sozialen, politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und anderen Entscheidungen gewonnen haben, dass sie heute als gesellschaftliches Problem erscheinen.

Anschließend berichtete Thomas Lampert (Berlin) über die "Lebenslagen und Veränderungen im Gesundheitsstatus älterer Menschen". Es war zugleich der einzige rein empirische Beitrag dieser Arbeitstagung. Lampert setzte sich mit der Frage nach den sozioökonomische Unterschieden im Gesundheitszustand und der Sterblichkeit der älteren Bevölkerung auseinander. Dabei griff er auf Daten der multidisziplinären Berliner Altersstudie (BASE) zurück und zeigte, dass die sozioökonomisch benachteiligten Personen ihren Alltag weitaus seltener selbständig bewältigen konnten als die sozioökonomisch begünstigten Personen. überraschend hingegen war das Ergebnis, dass das Mortalitätsrisiko der hochbetagten, über 85-jährigen sozioökonomisch benachteiligten Männer im Vergleich zu der begünstigten Geschlechtsaltergruppe signifikant niedriger lag, was Lampert auf die "selective-survival"-Prozesse zurückführte. Seiner Einschätzung nach unterliegen vor allem die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung besonders Vulnerablen und Krankheitsanfälligen der Benachteiligten im jungen und mittleren Lebensalter einem erhöhten Frühsterberisiko, während die in dieser Gruppe überlebenden eine im Hinblick auf ihre körperliche Widerstandsfähigkeit und Fitness im hohen Alter stärker selegierte Gruppe darstellen als die gleichaltrigen Vertreter der Begünstigtengruppe.

Abschließend setzte sich Jürgen Wolf (Magdeburg) mit seinem Vortrag über "Alter und Altern als >>Ende der Soziologie<<?" kritisch mit den Thesen von Hemut Schelsky ([1959] 1965) auseinander, die dieser Ende der 50er Jahre unter dem Titel "Die Paradoxien des Alters in der modernen Gesellschaft" veröffentlicht hatte. Darin entwarf er auch seine These vom "Ende der Themenausweitung der Soziologie", die hier von Wolf – mit einem Fragezeichen annotiert – zum Motto seines Beitrages erhoben wurde. Schelsky wies zu recht darauf hin, dass die von ihm als "biologische Grundbefindlichkeiten" bezeichneten "natürlichen Gegebenheiten" (Alter, Geschlecht, Sexualität) sozial gestaltete Tatbestände seien, die auch von der Soziologie – einer "Soziologie der biologischen Grundbefindlichkeiten" – entdeckt und bearbeitet würden. Damit sei zugleich "auch ein Ende der Themenausweitung der Soziologie erreicht". In der soziologischen Prosa Schelskys ([1959] 1965: 200) heißt es sodann: "Das Ende des wesentlichen Ausgriffs der modernen Soziologie taucht damit am Horizonte auf und wirft, wenn mich nicht alles täuscht, seine Schatten in Form der methodischen Perfektion und wissenschaftlichen Langeweile schon heute voraus".

Wolf konzentrierte sich in seinen Ausführungen jedoch weniger auf das vermeintliche Ende der Soziologie, als vielmehr auf die von Schelsky ausgemachten "Paradoxien des Alters". Und eben diese setzte er neuerlich auf den Prüfstand. Nach einer zunächst kursorischen Darstellung der von Schelsky konstatierten Paradoxien untermauerte Wolf im Rekurs auf empirische Beobachtungen seine Skepsis an deren heutiger Gültigkeit.

Der von Schelsky vertretenen These eines durch die Berufsaufgabe bedingten und zum Verlust des "Lebenshaltes" und zur Verstärkung der "Lebensunsicherheit" führenden "umfassenden Umweltentzugs" im Alter hielt Wolf entgegen, dass die Lebenslagen der älteren heute eher durch "Umweltgewinne" gekennzeichnet seien. Dem zweiten von Schelsky konstatierten Paradoxon ("ununterbrochene sinnentleerte Freizeit vs. schöpferisches Alter") begegnete Wolf mit dem Hinweis, dass "nicht der sinnhafte Bezug auf die Erwerbsbiographie allein, sondern die aktuelle Lebenslage (...) zur Quelle für Sinn des Lebens im Alter (wird)". Das dritte von Schelsky ausgemachte Paradoxon ("Generationsnivellierung vs. Altersweisheit") ist nach Auffassung von Wolf teilweise zutreffend, "allerdings nicht im Zusammenhang mit der von ihm konstatierten Auflösung der Mehrgenerationenfamilie".

Resümierend stellte er sodann fest, dass die Paradoxien als "Gegensätze von »moderner« Entwicklung und tradierten Leitbildern konstruiert" seien und die empirischen Befunde deutlich gemacht hätten, dass sich beides verändert hat, der charakteristische Formwandel der Leitbilder wie auch die modernen Entwicklungen, so, "dass die Schelsky'sche Beschreibung nicht mehr zutrifft". Und trotzdem habe eine noch zu entwickelnde "anspruchsvolle soziologische Alternstheorie" Schelsky als "wichtigen Vorläufer" zu integrieren, wenngleich eine "schnelle übernahme seiner z.T. suggestiven Formeln (...) mehr Probleme schafft, als sie löst".

Nimmt man die Tagung als Ganzes in den Blick, mag sie einem wie ein bunter Blumenstrauß erscheinen. Bei einem derart allgemein gehaltenen Tagungsthema überrascht das wenig. Die einzelnen Referentinnen und Referenten legten ihre soziologischen Knospen dar und der federführenden Veranstalterin oblag es, aus all dem ein mehr oder weniger ansprechendes soziologisches Gebinde zu komponieren. Nun ließe sich trefflich darüber streiten, welche dieser zarten Pflanzen es verdient hätten, weiter liebevoll gehegt zu werden, um sich dereinst zu voller Blüte entfalten zu können oder welche Gefahr laufen, auf dem Trümmerhaufen verworfener Hypothesen kompostiert zu werden. Wer alternssoziologische Früchte ernten will, muss zuvor den Acker bestellen. Und die Saat geht nur auf, wenn der allgemeine soziologische Humus von der Alternssoziologie kontinuierlich bearbeitet wird.

Das indes bedeutet Mühsal und verlangt nach Fantasie und Kreativität. Das Klagelied auf die theoretische Kargheit soziologischer Alternsforschung ist nun oft genug gesungen worden. "Nicht an den Klagen, an den Taten werdet ihr gemessen"! Nun sollten wir aber auch nicht so tun, als käme die Alternssoziologie gänzlich theorielos daher. Ihre Beiträge sind in den entsprechenden Studien und Kompendien (u.a. Passuth/Bengtson 1988, Marshall 1995, 1996, Prahl/Schroeter 1996, 1999, Backes/Clemens 1998a, Clemens 1998, Saake 1998, Schroeter/Prahl 1999, Schroeter 1999) durchaus gewürdigt. Doch so heftig und intensiv in den vergangenen Jahren auch in der Alternssoziologie nachgedacht wurde, stets überwogen die empirisch-filigranen gegenüber den theoretisch-analytischen Analysen und es entstand der Eindruck einer alternssoziologischen "Flucht in die Praxis" (Prahl/Schroeter 1996). Doch gerade in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft, in der auch die sozialen Lagen und Lebensstile älterer Menschen zunehmend komplexer und differenzierter erscheinen, in der das Alter längst zu einem "gesellschaftlichen Problem" (Backes 1997a) geworden ist und wohl künftig zu einer immer gewichtigeren sozialen Kraft werden wird, ist der theoretisch-analytisch ordnende Blick der Soziologie gefragt. Und eben darum bedarf es wohl auch – aber nicht einzig – einer Fülle empirischer Einzelfallstudien, sondern vor allem auch einer "theoretischen Einbettung des Alterns", die den Fokus auf das "gesamtgesellschaftliche Gefüge" und seiner "sozialen Implikationen" eröffnet (Schroeter 1999b).

Die Berliner Tagung bot mit ihrem einladenden Motto "Soziologie und Alter(n) – Beiträge der Soziologie zur Analyse des Alter(n)s und Impulse des Alter(n)s für die Entwicklung der Soziologie" ein entsprechendes Forum, hierüber nachzusinnen. Die dort gebotenen Antworten können nur als erste gedankliche Vorstöße gewertet werden. Und kundige Vertreter der Zunft sind aufgerufen, hier tief in ihre Fantasie zu greifen, Modelle und Konzepte zu entwickeln, theoretische Defizite abzubauen, Rückschau auf Etabliertes zu halten, Erhaltenswertes zu reaktivieren und Neues zu konzipieren.

Die Arbeitsgruppe "Alter(n) und Gesellschaft" wird dabei eine tragende Rolle zu spielen haben, sie kann sich zu der diskursiven Plattform entwickeln, der es bedarf, um solch ein Unternehmen zu schultern. Denn ein solches verlangt nicht einzig nach fachlicher (theoretischer wie empirischer) Kompetenz, sondern setzt freilich auch ein gerütteltes Maß an "sozialem Kapital" und organisatorischem Geschick voraus. Aber eine hintergründig wirkende Infrastruktur soll erst einmal geebnet werden. Konferenzen und Tagungen alleine liefern nicht das Fundament eines derartig ambitionierten Vorhabens. Ein steter Diskurs verlangt nach einer institutionellen Verankerung. Wenn Clemens in seinem Berliner Beitrag eben auf die erst ansatzweise gelungene Verankerung der Alternssoziologie innerhalb der institutionalisierten Soziologie in Deutschland hinwies und auch einige Schwachstellen (fehlende Fachzeitschrift, wenig entsprechende Lehrstühle, geringe Verankerung in der Gerontologie, geringe Beachtung in Rezensionszeitschriften, fehlender Sektionsstatus innerhalb der DGS) benannte, so wäre die Arbeitsgruppe eine wohl geeignete Instanz, hier federführend Akzente zu setzen. Auch wenn sie keine neuen Lehrstühle schaffen kann, so kann sie doch das ihrige dazu beitragen, den erforderlichen Alter(n)sdiskurs zu fördern.

Ein erster zaghafter Schritt in diese Richtung wurde sodann auch auf der im Rahmen der Berliner Tagung abgehaltenen Mitgliederversammlung am 09.07.99 unternommen, als für das weitere Vorgehen ein grober Dreischritt avisiert wurde: Demnach soll der alternssoziologische Diskurs zunächst a) gewissermaßen "gruppenintern" fortgesetzt werden. Dazu dient die im November in Magdeburg unter dem Motto "Alter und Altern – Methoden der Forschung und Sozialplanung" stattfindende zweite Arbeitsgruppentagung. b) In einem zweiten Schritt soll der "intradisziplinäre" Diskurs forciert werden. Dazu ist an eine Zusammenarbeit mit einer (oder auch mehreren) anderen Sektionen gedacht, was beispielsweise in Form einer gemeinsamen Tagung oder auch eines gemeinsamen Plenums auf einem der kommenden Soziologiekongresse Gestalt annehmen könnte. c) Und in einem dann folgenden Schritt wären sodann die Zunftgrenzen zu verlassen, um in einer "interdisziplinären" Kooperation mit anderen Teilgebieten der Gerontologie die alternssoziologischen Perspektiven auch vehement nach außen zu vertreten.

Ein anderer in der MV zum Ausdruck gebrachter Vorschlag sollte mit Herzschlag angegangen werden: die mittelfristige Erstellung eines fachspezifischen Periodicums. Angesichts der grundlegenden und anhaltenden Bedeutung, die dem Thema Alter(n) bereits gegenwärtig sowohl im öffentlichen als auch im fachinternen Diskurs zufällt, ist es ein nur schwerlich zu ertragender Mangel, dass es kein adäquates deutschsprachiges Fachorgan gibt, das sich dieser Problematik aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht annimmt. da die "Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie" als Organ der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie vor allem psychologische und medizinische Beiträge beheimatet, streuen die alternssoziologischen Aufsätze in den verschiedenen allgemeinen oder – sofern unter spezifischen Fragestellungen bearbeitet – speziellen soziologischen Fachzeitschriften. Hier macht es Sinn, die Kräfte zu bündeln. Prominente Vorreiter gibt es im anglo-amerikanischen Bereich, wo es mit "Ageing and Society", "Research on Aging", "Age and Ageing", dem "Journal on Aging Studies" und den "Journals of Gerontology (Vol. Social Sciences)" gleich mehrere sozialwissenschaftliche Periodica zum Alter(n) gibt.

Die von Backes und Clemens bei Leske + Budrich herausgegebene Reihe "Alter(n) und Gesellschaft" sollte als ermutigendes Zeichen gesehen werden, dass auch die deutsche Verlagslandschaft dem soziologisch orientierten Alter(n)sthema durchaus offen und wohlgesonnen gegenübersteht. Bevor jedoch ein derartig arbeitsaufwendiges und Kapazitäten verzehrendes Projekt mit all seinen – auch personellen – Erfordernissen (Herausgebergremium, Redaktion, Lektorat, wissenschaftlicher Beirat pp.) anzugehen ist, wäre es einer Erprobung wert, ob auf dem weiten Wege zu einem alternssoziologischen Periodicum der derzeitige "Rundbrief" der Arbeitsgruppe sukzessive zu erweitern oder parallel zu diesem ein halbjährlich erscheinender "newsletter" ins Leben zu rufen wäre. Ein solches Organ, wie es u.a. auch von der "Section on Sociology of Aging & the Life Course" der American Sociological Association geführt wird, hätte nicht nur über allerlei Nennenswertes aus dem weiten Feld der Alternssoziologie im allgemeinen sowie aus dem "Innenleben" der Arbeitsgruppe im besonderen zu berichten, es stünde bei geschickter Handhabung idealiter auch für eine Forcierung und kritische Begleitung des soziologischen Alternsdiskurses.

Hierzu ein erster Vorschlag: Neben a) einer wünschenswerten Rezensionssparte (in der die Fachliteratur ja durchaus auch im Kreuzfeuer diskutiert werden sollte), b) einer möglichen Rubrik, die Auskunft über die jeweils aktuellen laufenden alternssoziologischen Forschungsprojekte liefern könnte, c) einer Kommentarrubrik, in der Anmerkungen, Meinungsäußerungen oder Notizen zu vorangegangenen Beiträgen zu fixieren wären und d) einem allgemeinen Informationsteil (Nachrichten, Ankündigungen und Besprechungen von Meetings, Tagungen und Kongressen, Hinweise auf Neuerscheinungen, Call for Papers, Personalia, Varia) sollte e) ein breiter (und im Laufe der Zeit auszudifferenzierender) Abhandlungsteil mittelfristig das Herzstück eines solchen Forums werden. Durchaus vorstellbar, dass f) hier evtl. in einer weiteren Rubrik, inspiriert durch gezielte Fragestellungen "Debatten" ausgefochten werden. Wem das noch nicht reicht, dem sei g) hinzugefügt, dass die AG (und spätere Sektion?) auch einen "award" ausloben lassen könnte. Ein solcher AG-/Sektionspreis ließe sich entweder für das "Buch des Jahres" oder für die "Forschungsleistung" des Jahres resp. der vergangenen Jahre verleihen. Dann sei aber h) auch noch vorgeschlagen, an eine alte Idee anzuknüpfen und die Tradtion von "Streitfragen" und "Preisschriften" wieder aufzugreifen. Warum sollte es nicht vorstellbar sein, dass heutige Alternssoziologen zur Beantwortung einer diffizil bis prekären Frage zur Feder greifen, so wie einst Jean-Jacque Rousseau, als er im Jahre 1754 in seiner Preisschrift auf die Streitfrage der Akademie von Dijon Was ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen? reagierte?


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Kontakt:


Dr. Klaus R. Schroeter
Institut für Soziologie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Olshausenstr. 40
D-24098 Kiel
Tel.: 0431/880-4372
Fax: 0431/880-3467
Email: >>  schroeter@soziologie.uni-kiel.de

Copyright © Dr. Klaus R. Schroeter 1999
Dokument erstellt am 20.09.1999

(1) Den Referentinnen und Referenten der Berliner Arbeitsgruppentagung, die mir zum Zwecke dieses Besprechungsessays freundlicherweise ihre Vortragsmanuskripte überließen, sei an dieser Stelle ganz herzlich dafür gedankt. Die Tagungsbeiträge werden in der von Backes und Clemens bei Leske + Budrich herausgegebenen Reihe "Alter(n) und Gesellschaft" veröffentlicht.



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